Ein Leitfaden zum Auf- und Ausbau von Verbundsystemen
21.05.2009
Kooperation lohnt sich!
Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, zwei Formen der Kinderbetreuung, die sich in der Vergangenheit weitestgehend unabhängig voneinander entwickelt haben,beschäftigen sich aktuell mit den Änderungen im SGB VIII und dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan. Herausforderungen, die es gemeinsam zu bewältigen gilt.
Einer der Grundsätze des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans stellt das Kind in den Mittelpunkt. Gelebte Kooperation erhöht das Wissen um die Vorteile beider Betreuungsformen und bei einem Vertrauen in die Fachlichkeit der jeweils anderen Betreuungsform werden Eltern bedarfsorientiert informiert und es fallen Entscheidungen zum Wohle des Kindes und seiner Familie.
Auch Kontinuität im Bildungsverlauf und Konsistenz in den Zielen und Inhalten erfordern Kooperation. Im Verbund zwischen Kindertagespflegepersonen und Kindertageseinrichtungen können Übergänge gemeinsam gestaltet, eine übereinstimmende Grundhaltung entwickelt und Familien besser begleitet werden.
Beide Betreuungsformen stehen in engem Kontakt zu Familien und Kindern und sind eingebunden in ein komplexes Beziehungsgeflecht mit Trägern, Kommunen und dem örtlichen Jugendhilfeträger. In Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten gibt es Fachdienste für die Kindertagespflege. Diese können an unterschiedlichen Stellen verortet sein (z.B. bei der Kommune oder unter freier Trägerschaft). Ebenfalls in Abhängigkeit von den Bedingungen vor Ort kommen weitere Partner hinzu, wie beispielsweise eine Familienbildungsstätte.
Vor Ort und in Kooperation mit den Partnerinnen und Partnern im Netzwerk ist eine Gesamtsicht zur Kinderbetreuung zu entwickeln.
Kooperation braucht Menschen und Institutionen, welche einen Anfang machen und Kontakt zueinander suchen. Jede/r der Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner in einer Region kann einen Anfang wagen und einen individuellen Beitrag leisten, damit das Netzwerk in der Kinderbetreuung tragfähiger wird, den komplexen Bedarfslagen von Familien flexibel begegnet und den Bedürfnissen des Kindes nach stabilen Beziehungen und Aufenthaltsorten gerecht wird.
Im Sinne eines Leitfadens werden im folgenden Text in komprimierter Form konkrete Anregungen gegeben, welche Beiträge zur Kooperation und Vernetzung die einzelnen Partner und Partnerinnen idealerweise erbringen können.
Kooperation hat viele unterschiedliche Gesichter!
Verbundsysteme entwickeln sich individuell, in Abhängigkeit von den Bedarfen vor Ort, den Interessen, Möglichkeiten und Fähigkeiten der Kooperationspartner. Entsprechend vielfältig sind auch die Ergebnisse, die im Verbund entstehen. Ein paar Beispiele aus dem Modellprojekt TaKKT zeigen, was möglich ist:
- Es finden regelmäßig Besuche der Tagesmütter mit ihren Kindern in einer Kindertageseinrichtung statt (derzeit 14-tägig).
- Ein pädagogisches Konzept zur Gestaltung des Übergangs vom Spielkreis der Tagesmütter in die Kindertagesstätte wurde erarbeitet.
- Tagesmütter nehmen mit ihren Kindern an Projekten einer Kindertageseinrichtung teil.
- Eine Kindertageseinrichtung führt gemeinsam mit den Kindertagespflegepersonen Elternabende durch.
- Ein Fachdienst Kindertagespflege und eine Kindertageseinrichtung organisieren ihre Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam.
- Qualifizierungsmaßnahmen für Kindertagespflegepersonen finden in den Räumen einer Kindertageseinrichtung statt.
- Es finden gemeinsame Fortbildungen statt. Dabei werden Expertinnen aus den eigenen Reihen für die kollegiale Weiterqualifizierung genutzt.
- Die Kommune subventioniert die Kindertagespflege um die Gleichrangigkeit zu Kindertagestättenplätzen zu unterstützen.
- ……
Kooperation braucht Menschen und Institutionen, die einen Anfang machen …
Wenn dieser Leitfaden Ihr Interesse geweckt hat und Sie mehr zur Verbundentwicklung zwischen Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen erfahren wollen, finden Sie einen Erfahrungsbericht aus dem Modellprojekt und weitere Informationen auf den unten angegebenen Internetseiten. Das Modellprojekt TaKKT wurde im Auftrag des Hessichen Sozialministeriums vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe in Kooperation mit dem Hessischen KinderTagespflegeBüro durchgeführt.
Gerne stehen wir Ihnen für Nachfragen zur Verfügung:
Hessisches KinderTagespflegeBüro
Ursula Diez-König
Klosterhofstraße 4 - 6
63477 Maintal-Hochstadt
Tel.: 0 61 81/40 03 49
Mail: info@hktb.de
Internet: www.hktb.de
Institut für Kinder- und Jugendhilfe
Daniela Adams
Saarstraße 1
55122 Mainz
Tel.: 0 61 31/94 79 70
Mail: adams@ikj-mainz.de
Internet: www.ikj-mainz.de
Dieser Leitfaden wurde mit fachlicher Unterstützung und im Auftrag des Hessischen Ministerium für für Arbeit, Familie und Gesundheit erstellt. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Aufbau tragfähiger Kooperationen.
TaKKT Leitfaden.pdf [0.08 MB ]