Hessisches Tagespflegebüro - Aktuelles

Logo: Hessisches KinderTagespflegebüro

Tagesmütter können Problem lindern

06.03.2007

Hessens Kommunen gehen verschiedene Wege, um die Kinderbetreuung der unter Dreijährigen zu verbessern. Die Betreuung der Kinder unter drei Jahren ist derzeit eines der Hauptthemen in den hessischen Rathäusern. Dabei gewinnen Tagesmütter an Bedeutung. Doch noch sind diese meist teurer als ein Kindergartenplatz.

„GIESSEN ■ Gießens Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) steckte dieser Tage ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2010 soll für jedes vierte Kind unter drei Jahren ein Kindergartenplatz bereit stehen. Derzeit reicht das Angebot für jedes fünfte. Damit liegt Gießen jetzt schon weit über dem Hessenschnitt von fünf Prozent - aber noch unter den 30 Prozent, die der Bund als Zielmarke gesetzt hat. Und unter dem Versorgungsgrad in Ostdeutschland, der je nach Bundesland zwischen 35 und 50 Prozent schwankt.

Novelle fordert Kommunen
Just zum 1. Januar hatte Hessen die Städte und Gemeinden durch eine Gesetzesnovelle stärker in die Verantwortung genommen. Diese müssen das benötigte Angebot sicherstellen und „die freiwillige Tätigkeit auf dem Gebiet der Kindertagesbetreuung anregen und fördern". Im Kern soll also die Tagesmutter dem Kindergarten gleichgestellt wer den. Für Sozialministerin Sybille Lautenschläger ist dies ein „maßgeblicher Beitrag für ein familienfreundliches Hessen".

Dass Gießen bei der U3-Betreuung diesen Beitrag bereits seit Langem leistet, liege an der besonderen Sozialstruktur, so eine Mitarbeiterin des Jugenddezernates: Für eine Unistadt sei die Kinderbetreuung ein harter Standortfaktor, außerdem gebe es eine Alleinerziehenden-Quote von 38 Prozent, und drittens halte sich die Geburtenrate seit Jahren stabil. Seit den 70er-Jahren habe sich so eine Vielzahl privater Elterninitiativen entwickelt. Die Stadt zahle ihnen Betriebskostenzuschüsse.
Trotzdem sagt die Mitarbeiterin: „Das Angebot ist momentan noch nicht ausreichend, aber wir sind auf dem richtigen Weg." Ein Drittel der Betreuung solle durch die Tagespflege abgedeckt werden. Wer über das Jugendamt eine Tagesmutter beantrage, erhalte einen einkommensabhängigen Zuschuss, heißt im Jugenddezernat.
Wie Gießen hat auch Marburg eine Tagespflegesatzung eingeführt. Allerdings hat diese nur zwei Varianten: Sozialschwache bekommen die Tagesmutter umsonst, und alle anderen zahlen einen Fixbetrag, der so hoch ist wie die Kindergartengebühr. „Unser System ist weniger kompliziert als das Gießener, dafür ist das Gießener mit seinen Abstufungen sozial gerechter", sagt Marburgs Sozialdezernent Franz Kahle.
Ein weiterer Baustein des dortigen Betreuungsmodells ist KIT: Hierbei werde Tagespflege und Kindertagesstätte kombiniert. Ist eine Tagesmutter krank, kann das Kind ersatzweise eine Tagesstätte besuchen. Marburg - und auch Gießen- erwiesen sich in einem Punkt als Vorreiter: Seit Jahren bestehen Netzwerke für die Koordination der Angebote, zum Beispiel die Marburger Kinderbetreuungsbörse, an der Stadt, Kreis, Kirchen und private Initiativen beteiligt sind.

Experten helfen bei Qualifizierung
100 solcher Fachdienste für Beratung und Qualifikation sind in den letzten Jahren hessenweit entstanden, erzählt Ursula Diez-König vom Hessischen Tagespflegebüro in Maintal. Die meisten konzentrierten sich im Süden des Landes und rund um das Rhein-Main-Gebiet; nach Norden hin werde das Netz dünner.

Eine besondere Problematik sieht Diez-König nach wie vor darin, dass eine Tagesmutter in den meisten Städten erheblich teurer sei als ein Kindergartenplatz. Obwohl Eltern Anspruch auf einen Jugendamtszuschuss für Tagesmütter hätten, lasse die öffentliche Finanzierung oft noch zu wünschen übrig. Als Vorbild nannte Dietz König dagegen Offenbach. Dort zahle die Stadt den Stundenlohn der Tagesmutter, und die Eltern legten eine Stundenpauschale von einem Euro drauf.

KINDERBETREUUNG IN HESSEN
■ Tagespflege: familienähnliche Betreuungsform durch Tagesmutter. In Westdeutschland noch kaum vorhanden (Hessen: 4-5 Prozent, Westschnitt: 6 Prozent). Im Osten 30 bis 50 Prozent aller U3-Betreuungsplätze. Bund will Versorgungsgrad bundesweit auf 30 Prozent anheben
■ Tagesmutter: Seit 2006 müssen Tagesmütter in Hessen einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und seit 1. Januar 2007 einen Qualifikationskurs (45 Stunden) besuchen.
■ Bambini: Landesprogramm über 110 Millionen Euro zum Ausbau der U3-Betreuung und für ein kostenloses letztes Kindergartenjahr.

http://www.hessisches-tagespflegebuero.de

 

Quelle: 03/06/07, Frankfurter Rundschau / S. Säemann

Tagemütter können Probleme lindern.pdf [0.15 MB ]

Unternavigation Nebenseiten: